Spielen und Bindung
Sprechen, Singen, Vorlesen: das Hin und Her mit eurem Kind
Warum deine Antworten auf Laute, Blicke und Gesten zählen, wie du mit eurem Baby sprichst und ab wann ihr vorlest.
Geburt bis 3 Jahre
Das Hin und Her
Beim Hin und Her macht euer Kind dir ein Angebot. Das kann ein Laut, eine Geste, ein Blick oder Weinen sein. Du antwortest darauf. Du schaust es an, sprichst mit ihm oder nimmst es in den Arm.1
Beim Hin und Her, englisch „Serve and Return“, macht euer Kind ein Angebot: einen Laut, eine Geste, einen Blick oder Weinen. Du antwortest mit Blickkontakt, Worten oder einer Umarmung.1
Das Hin und Her baut im Gehirn eures Kindes Verbindungen auf. Das Hin und Her macht diese Verbindungen auch stärker. Diese Verbindungen helfen eurem Kind, sich zu verständigen und mit anderen umzugehen.1
Das Hin und Her zwischen Kind und Bezugsperson baut im Gehirn Verbindungen für Verständigung und soziale Fähigkeiten auf und stärkt sie.1
Das Hin und Her funktioniert schon, bevor Babys sprechen.2
Das Gehirn eines Kindes ist darauf eingestellt, Antworten zu bekommen. Bleiben die Antworten dauerhaft aus, fehlen dem Kind Anregungen. Dann kann der Körper mit Stress reagieren.1
Das Gehirn eines Kindes ist auf Antworten angelegt. Bleiben sie dauerhaft aus, fehlen ihm Reize, und die Stressreaktion des Körpers kann anspringen.1
Bleiben die Antworten der Bezugspersonen für ein Kind dauerhaft aus, kann die Stressreaktion des Körpers anspringen. Das Harvard Center on the Developing Child spricht dann von „toxischem Stress“.1
Für das Hin und Her brauchst du kein Material. Das klappt im Alltag, zum Beispiel beim Wickeln, Baden oder Spazierengehen.3, 4
Für das Hin und Her brauchst du kein Material. Es passt in Alltagsmomente wie Wickeln, Baden oder Spazierengehen.3, 4
Wegschauen, Gähnen, Einschlafen, Unruhe oder Weinen sind Zeichen, dass es eurem Baby zu viel wird. Sehr kleine Babys können sich nur wenige Minuten auf eine Sache konzentrieren und brauchen dann Pausen. Wirkt euer Baby überfordert, beendet das Spiel.5, 6
So sprichst du mit eurem Baby
Mach die Laute eures Babys nach. Verändere die Laute dabei ein bisschen.7
Mach die Laute eures Babys nach und wandle sie leicht ab.7
Erzähl beim Wickeln, Baden und Anziehen, was du gerade tust. Sag dabei am besten immer die gleichen Sätze. Wiederholung hilft eurem Baby beim Lernen.3, 7, 4
Erzähl beim Wickeln, Baden und Anziehen, was du gerade tust, am besten mit immer gleichen Sätzen. Wiederholung hilft eurem Baby beim Lernen.3, 7, 4
Sprichst du übertrieben betont, fast wie beim Singen? Das hilft eurem Baby zu sehen, wie sich dein Mund bewegt.3
Eine übertriebene, singende Sprachmelodie hilft Babys, deine Mundbewegungen zu verfolgen.3
Tröstende Sprache klingt eher tief und gedehnt.7
Sing eurem Baby vor. Gut passen Lieder und Reime, die sich wiederholen. Du kannst auch selbst Lieder über den Tag erfinden, mit dem Namen eures Babys.3, 8, 9
Sing eurem Baby vor. Gut passen Lieder und Reime mit Wiederholung, auch selbst erfundene Lieder über den Tag mit dem Namen eures Babys.3, 8, 9
Greif ab etwa einem Jahr die Wörter eures Kindes auf. Mach daraus kurze Sätze. Sagt es „Hund“, antworte mit einem kurzen Satz dazu.10, 11
Ab etwa einem Jahr greifst du die Wörter eures Kindes auf und erweiterst sie zu kurzen Sätzen. Sagt es „Hund“, antwortest du mit einem kurzen Satz dazu.10, 11
Wächst euer Kind mit mehreren Sprachen auf? Dann sprecht mit ihm in der Sprache oder den Sprachen, die ihr zu Hause sprecht.12
Wächst euer Kind mit mehreren Sprachen auf, sprecht mit ihm in der Sprache oder den Sprachen, die ihr zu Hause sprecht.12
Wie Sprache wächst
Schon ab der Geburt hören Babys menschliche Stimmen am liebsten.7
Schon ab der Geburt bevorzugen Babys menschliche Stimmen.7
Ab etwa 2 Monaten gurren Babys. Ab etwa 3 Monaten quietschen und lachen Babys. Mit 5 bis 6 Monaten reihen Babys Silben aneinander, zum Beispiel „da-da-da“.7
Ab etwa zwei Monaten gurren Babys, ab etwa drei Monaten quietschen und lachen sie. Mit fünf bis sechs Monaten entstehen Silbenketten.7
Mit etwa vier Monaten unterscheiden Babys einen freundlichen von einem ärgerlichen Tonfall.7
Ab etwa acht Monaten verstehen Babys erste Wörter. Am Ende des ersten Jahres verstehen Kinder wahrscheinlich 50 bis 100 Wörter.7
Die ersten eigenen Wörter kommen meist gegen Ende des ersten Jahres oder etwas später.7
Vorlesen
Internationale Empfehlungen raten, schon mit Babys zu lesen. Amerikanische Kinderärzte empfehlen gemeinsames Lesen ab der Geburt bis mindestens zum Schuleintritt.13, 3, 4
Amerikanische Kinderärzte empfehlen seit 2024, wenn möglich schon auf der Neugeborenen-Intensivstation mit dem gemeinsamen Lesen zu beginnen.13
Lest lieber aus gedruckten Büchern vor als von einem Bildschirm.13
Gedruckte Bücher sind beim Vorlesen Bildschirmen vorzuziehen.13
Redet beim Lesen mit eurem Baby. Zeigt auf die Bilder und sagt, was darauf zu sehen ist. Redet über die Bilder. Antwortet, wenn euer Baby brabbelt.13, 14, 15
Lest im Gespräch: Zeigt auf Bilder, benennt sie, redet darüber und antwortet, wenn euer Baby brabbelt.13, 14, 15
Für die ersten Monate eignen sich Stoffbücher mit verschiedenen Oberflächen zum Fühlen.3
Amerikanische Empfehlungen raten: Lest ab dem 1. Geburtstag jeden Tag vor.16
Amerikanische Empfehlungen raten ab dem ersten Geburtstag zu täglichem Vorlesen.16
Das Programm „Lesestart 1-2-3“ verschenkt Bücher und gibt Tipps zum Vorlesen. Das passiert bei der U6 und U7 in Kinderarztpraxen, die mitmachen. Danach geht es in Bibliotheken weiter. Im September 2026 meldete die Stiftung Lesen: Das Programm steht vor dem Aus, weil das Bundesministerium kein weiteres Geld einplant.17
Das Programm „Lesestart 1-2-3“ bietet bei der U6 und U7 in teilnehmenden Kinderarztpraxen und danach in Bibliotheken Buchgeschenke und Vorlesetipps. Im September 2026 meldete die Stiftung Lesen, das Programm stehe vor dem Aus, weil das Bundesministerium keine Weiterfinanzierung vorsieht.17
Laut Stiftung Lesen machen über 6.000 Kinderarztpraxen und über 5.500 Bibliotheken bei „Lesestart 1-2-3“ mit.17
Checkliste
So klappt das Hin und Her
- Achte darauf, wohin euer Kind schaut, und folge seinem Blick.12
- Gurrt oder quiekt euer Baby? Dann antworte mit demselben Laut oder mit einem Wort. Warte danach ab. So sprecht ihr abwechselnd miteinander.Gurrt oder quiekt euer Baby, antworte mit demselben Laut oder einem Wort und warte dann. So entsteht ein Gespräch im Wechsel.4, 7
- Zeigt euer Kind auf etwas, sag das Wort dazu.10
- Sprich aus, was euer Kind gerade fühlt. Zeig das Gefühl auch mit deinem Gesicht und deiner Stimme.Benenn mit Worten, Mimik und Stimme, was euer Kind gerade fühlt.15
- Spielt „Ich bin dran, du bist dran“. Gebt euch zum Beispiel ein Spielzeug hin und her.Spielt „Ich bin dran, du bist dran“, zum Beispiel indem ihr ein Spielzeug hin- und herreicht.15
Was du tun kannst
Quellen
- 1Harvard Center on the Developing Child: Serve and Return
- 2Harvard Center on the Developing Child: 5 Steps for Brain-Building Serve and Return
- 3NHS Best Start in Life: Baby's first sounds: 0 to 6 months
- 4CDC: Learn the Signs. Act Early.: Milestones 2 Monate (15.05.2026)
- 5BIÖG: Anregungen und Ruhepausen – die richtige Mischung
- 6BIÖG: Wichtiges zum Spielen von Babys
- 7BIÖG: Erste Schritte in der Sprachentwicklung des Babys
- 8UNICEF Parenting: 4 easy ways parents can support their baby's development
- 9CDC: Positive Parenting Tips: Infants (0–1 years)
- 10CDC: Milestones 1 Jahr (15.05.2026)
- 11CDC Milestones 18 Monate, 15.05.2026: CDC Milestones 18 Monate, 15.05.2026
- 12NHS Best Start in Life: First words: 1 to 2 years
- 13AAP/HealthyChildren.org: Beyond Literacy: Shared Reading Starting at Birth Offers Lifelong Benefits
- 14CDC Milestones 6 Monate, 15.05.2026: CDC Milestones 6 Monate, 15.05.2026
- 15CDC Milestones 9 Monate, 15.05.2026: CDC Milestones 9 Monate, 15.05.2026
- 16CDC: Positive Parenting Tips: Toddlers (1–2 years)
- 17Stiftung Lesen: Lesestart 1–2–3 retten
Stand 27. Oktober 2026