Sicherheit und Erste Hilfe
Sicherheit: Unfälle vermeiden und nie schütteln
Welche Unfälle in den ersten drei Jahren drohen, wie ihr die Wohnung sicher macht und warum Schütteln lebensgefährlich ist.
Geburt bis 3 Jahre
Wo und wann Kinder verunglücken
Kleine Kinder verunglücken vor allem zu Hause. Stürze sind die häufigste Unfallart.1,2
Im 2. Lebensjahr ist die Gefahr für Unfälle am größten. Denn dann wird der Raum, in dem sich Kinder bewegen, plötzlich größer.1
Das höchste Unfallrisiko besteht im 2. Lebensjahr, weil der Bewegungsraum der Kinder plötzlich wächst.1
Macht eure Wohnung spätestens im 2. Lebenshalbjahr eures Babys kindersicher. Das 2. Lebenshalbjahr beginnt, wenn euer Baby 6 Monate alt ist.3
Spätestens im zweiten Lebenshalbjahr eures Babys sollte die Wohnung kindersicher sein.3
Bei den U-Untersuchungen U3, U4, U6, U7 und U7a gehört Unfallverhütung zur Beratung.4
Die ersten Monate
Ab etwa 3 Monaten können Babys herunterfallen: vom Wickeltisch, vom Sofa, vom Bett oder aus der Babywippe. Strampelt euer Baby viel? Dann kann das auch früher passieren. Lasst euer Baby nie allein auf dem Wickeltisch oder dem Sofa. Lasst auf dem Wickeltisch immer eine Hand an ihm.5,6
Ab etwa drei Monaten, bei viel Strampeln auch früher, können Babys vom Wickeltisch, Sofa oder Bett fallen oder aus der Babywippe. Auf Wickeltisch und Sofa lasst ihr euer Baby nie allein, auf dem Wickeltisch bleibt immer eine Hand an ihm.5,6
Stellt die Babyschale nicht auf einen Tisch oder Stuhl.5,6
Hast du euer Baby auf dem Arm, auf dem Schoß oder in der Trage? Dann trink nichts Heißes. Sonst kann sich euer Baby verbrühen. Diese Gefahr gibt es von Geburt an.5,7
Trink nichts Heißes, während du euer Baby auf dem Arm, auf dem Schoß oder in der Trage hast. Diese Verbrühungsgefahr besteht von Geburt an.5,7
Ab etwa 4 bis 5 Monaten stecken Babys alles in den Mund. Ist etwas kleiner als ein Tischtennisball? Dann kann euer Baby daran ersticken. Zum Beispiel: Münzen, Knöpfe, Magnete, Erdnüsse und Knopfzellen.5,8,9
Ab etwa vier bis fünf Monaten stecken Babys alles in den Mund. Was kleiner als ein Tischtennisball ist, gilt als Erstickungsgefahr, etwa Münzen, Knöpfe, Magnete, Erdnüsse und Knopfzellen.5,8,9
Kissen, Decken und Kuscheltiere gehören nicht ins Babybett. Euer Baby kann daran ersticken. Euer Baby schläft im Schlafsack.5,8,9
Kissen, Decken und Kuscheltiere gehören wegen der Erstickungsgefahr nicht ins Babybett. Euer Baby schläft im Schlafsack.5,8,9
Hängt keine Bänder und Schnüre ans Babybett. Verlängert die Schnullerkette nicht.5,8,9
Am Babybett haben Bänder und Schnüre nichts zu suchen. Eine Schnullerkette verlängert ihr nicht.5,8,9
Wenn euer Baby krabbelt
Ab etwa 6 bis 8 Monaten können Babys an Tischdecken oder Kabeln ziehen. Zum Beispiel am Kabel vom Wasserkocher oder Bügeleisen. Dabei können Babys sich verbrühen. Lasst keine Kabel herunterhängen. Nehmt möglichst keine Tischdecken.5,10,7
Ab etwa 6 bis 8 Monaten können Babys an Tischdecken oder Kabeln ziehen, etwa vom Wasserkocher oder Bügeleisen, und sich verbrühen. Lasst Kabel nicht herunterhängen und verzichtet möglichst auf Tischdecken.5,10,7
Mit dem Krabbeln, etwa ab 6 bis 8 Monaten, drohen weitere Gefahren. Euer Baby kann sich vergiften, zum Beispiel mit Putzmitteln, Waschmitteln oder Medikamenten. Es kann die Treppe hinunterstürzen. Auch Steckdosen und Möbel, die umkippen, sind gefährlich. Was dagegen hilft, steht in der Checkliste.5,10,1,6,11
Mit dem Krabbelalter, etwa ab 6 bis 8 Monaten, drohen auch Vergiftungen durch Putzmittel, Waschmittel und Medikamente, Treppenstürze sowie Unfälle mit Steckdosen und kippenden Möbeln. Was dagegen hilft, steht in der Checkliste.5,10,1,6,11
Ein Hochstuhl muss kippsicher stehen. Lasst euer Kind nie allein darin sitzen.5,10,6
Nutzt keine Lauflernhilfe, auch Gehfrei genannt. Der wichtigste Grund: Euer Kind kann damit die Treppe hinunterstürzen und sich schwer verletzen.5,1
Von Lauflernhilfen, auch Gehfrei genannt, wird grundsätzlich abgeraten, vor allem wegen schwerer Treppenstürze.5,1
Mit 1 bis 3 Jahren
Die Gefahr: Euer Kind stürzt aus dem Fenster oder vom Balkon. Am größten ist diese Gefahr zwischen 1 und 3 Jahren. Sichert das Balkongeländer. Euer Kind darf nicht hinaufklettern können.6,1
Zwischen 1 und 3 Jahren ist das Risiko am größten, dass ein Kind aus dem Fenster oder vom Balkon stürzt. Sichert das Balkongeländer so, dass euer Kind nicht hinaufklettern kann.6,1
Dreht in der Küche die Stiele von Töpfen nach hinten. Kocht auf den hinteren Platten. Ein Herdschutzgitter hilft. Es ist aber nicht ganz sicher.12,10
In der Küche dreht ihr Topfstiele nach hinten und nutzt die hinteren Platten. Ein Herdschutzgitter hilft, ist aber nicht absolut sicher.12,10
Hat euer Backofen keine wärmegedämmte Scheibe? Dann deckt die Scheibe ab.12,10
Ist die Scheibe des Backofens nicht wärmegedämmt, deckt sie ab.12,10
Reinigungsmittel, Lampenöl und andere Chemikalien räumt ihr sofort weg.1,12,13
Entfernt Kordeln an der Kleidung eures Kindes. Haltet Truhen und die Türen von Geräten wie dem Trockner geschlossen. Sonst kann sich euer Kind darin verstecken.1,8,9
Kordeln an Kleidung entfernt ihr. Türen von Geräten wie dem Trockner und von Truhen haltet ihr geschlossen, damit sich euer Kind darin nicht versteckt.1,8,9
Wasser
Mehr als 1 von 5 Kindern, die bei einem Unfall sterben, ertrinkt.14
Mehr als jeder fünfte tödliche Kinderunfall ist ein Ertrinkungsunfall.14
Kinder ertrinken lautlos. Kinder rufen dabei nicht um Hilfe, sondern gehen still unter.14
Kinder ertrinken lautlos. Sie rufen nicht um Hilfe, sondern gehen still unter.14
Babys ertrinken vor allem in der Badewanne. Lasst euer Baby dort nie allein, auch nicht kurz. Ältere Geschwister sind keine Aufsicht, und schon flaches Wasser ist gefährlich.14,15
Kleinkinder ertrinken vor allem im Gartenteich, in der Regentonne oder im Bach. Lasst euer Kind auch im Planschbecken nie ohne Aufsicht.13,14
Kleinkinder ertrinken vor allem an Gartenteich, Regentonne oder Bach. Auch im Planschbecken lasst ihr euer Kind nie unbeaufsichtigt.13,14
Verbrühungen
Jedes Jahr kommen etwa 30.000 Kinder wegen Verbrennungen und Verbrühungen in eine Arztpraxis. Etwa 7.000 dieser Kinder sind schwer verletzt und müssen ins Krankenhaus.7
Jedes Jahr kommen etwa 30.000 Kinder wegen Verbrennungen und Verbrühungen in eine Arztpraxis. Etwa 7.000 sind so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus müssen.7
Mehr als 2 von 3 Verbrühungen betreffen Kleinkinder. Kinder unter 2 Jahren müssen nach einer Verbrühung am ehesten in der Klinik behandelt werden.7
Mehr als zwei Drittel der Verbrühungen betreffen Kleinkinder. Bei Kindern unter 2 Jahren ist das Risiko am höchsten, dass sie in der Klinik behandelt werden müssen.7
Nach einer Verbrühung zieht ihr eurem Kind nasse Kleidung aus, auch die Windel.16
Kühlt nur kleine verbrühte Stellen. Nehmt dafür fließendes, handwarmes Wasser. Nehmt kein Eis.16
Nur kleine verbrühte Flächen kühlt ihr, unter fließendem, handwarmem Wasser. Eis nehmt ihr nicht.16
Kühlt Verbrühungen auf großer Fläche nicht. Sonst kann euer Kind zu kalt werden. Ruft die 112 an. Wickelt euer Kind in saubere Tücher.16
Großflächige Verbrühungen kühlt ihr nicht, weil euer Kind sonst unterkühlen kann. Ruft die 112 und wickelt euer Kind in saubere Tücher.16
Hausmittel wie Mehl, Öl oder Zahnpasta gehören nicht auf eine Verbrühung.16
Vergiftungen
Etwa 6.500 Kinder und Jugendliche kommen jedes Jahr wegen einer Vergiftung ins Krankenhaus. Besonders gefährdet sind Kinder unter 3 Jahren.11
Am gefährlichsten sind Medikamente, Wasch- und Reinigungsmittel, Pflanzen und Pilze.11
Knopfzellen können in der Speiseröhre stecken bleiben und schwere Verletzungen verursachen.11
Nie schütteln
Kopf und Hals eines Babys werden besonders leicht verletzt. Schon kurzes Schütteln kann euer Baby schwer verletzen. Euer Baby kann daran sterben.17
Kopf und Hals eines Babys sind besonders verletzlich. Schon kurzes Schütteln kann schwere Schäden verursachen und tödlich sein.17
Gebt eurem Baby keine Beruhigungsmittel.17
Schreit euer Baby viel? Dann bekommt ihr Hilfe an diesen Stellen: Kinderarztpraxis, Schreiambulanz, Frühe Hilfen und Familienhebammen. Schreiambulanzen findet ihr über die Suche auf elternsein.info. Fragt beim Jugendamt oder Gesundheitsamt nach Frühen Hilfen und Familienhebammen.17
Hilfe bei viel Schreien bekommt ihr in der Kinderarztpraxis, in Schreiambulanzen, bei den Frühen Hilfen und bei Familienhebammen. Schreiambulanzen findet ihr über die Suche auf elternsein.info. Auskunft zu Frühen Hilfen und Familienhebammen gibt das Jugend- oder Gesundheitsamt.17
Checkliste
Wohnung, spätestens im zweiten Lebenshalbjahr
- Steckdosen sichern, auch an Mehrfachsteckdosen.10
- Bringt Kabel außer Reichweite eures Kindes. Ein Grund: Euer Kind kann sich damit strangulieren.Kabel außer Reichweite bringen, auch wegen der Strangulationsgefahr.10
- Befestigt Regale und Kommoden, damit nichts umkippt. Polstert die Kanten.Regale und Kommoden kippsicher befestigen, Kanten polstern.10,1
- Putzmittel, Waschmittel und Medikamente kindersicher lagern.5,10,11
- Bringt ein Schutzgitter an der Treppe an. Bringt auf den Stufen Rutschkanten an.Treppenschutzgitter anbringen, Rutschkanten auf die Stufen.5,10,6
- Sichert Fenster mit Griffen zum Abschließen oder mit Riegeln. Stellt keine Möbel vor das Fenster, auf die euer Kind klettern kann.Fenster mit abschließbaren Griffen oder Riegeln sichern, keine Möbel als Kletterhilfe davor.6,1
- Plastiktüten wegräumen.5,8,9
Garten
- Sichert Teiche und Becken mit einem Zaun. Der Zaun muss mindestens 1 m hoch sein. Euer Kind darf nicht darüber klettern können.Teiche und Becken mit einem mindestens 1 m hohen Zaun sichern, über den euer Kind nicht klettern kann.13,14
- Regentonnen verschließen.13,14
- Sehr giftige Pflanzen wie Engelstrompete, Eisenhut und Herbstzeitlose entfernen.1,12,13
Was du tun kannst
- Bringt dich das Schreien an deine Grenze? Was du dann tust, steht im Notfallplan. Du findest ihn im Artikel „Wenn euer Baby viel schreit“.
- Was du tust, wenn dich das Schreien an deine Grenze bringt, zeigt der Notfallplan im Artikel „Wenn euer Baby viel schreit“.
- Die Nummern vom Giftnotruf stehen auf der Notfallseite von Papalotse.
- Die Nummern der Giftinformationszentren stehen auf der Notfallseite von Papalotse.
Passt dazu
- Notruf, Alarmzeichen, GiftnotrufWann ihr sofort die 112 ruft, wie ihr den Notruf absetzt, wann die 116 117 hilft und wie ihr den Giftnotruf erreicht.
- Die Wohnung kindersicher machenWas ihr in welchem Alter sichert, vom Wickeltisch über Steckdosen und Treppe bis zu Fenster und Herd, als Checkliste nach Alter.
- Wenn du kurz vor dem Ausrasten bistWenn das Schreien dich an deine Grenze bringt: wie du euer Baby und dich schützt, warum Schütteln lebensgefährlich ist und wer hilft.
- Was Babys nicht essen solltenWas euer Baby im ersten Jahr nicht bekommt, woran kleine Kinder ersticken können und welche rohen Speisen riskant sind.
Quellen
- 1BIÖG: Unfallschwerpunkte 1–3 Jahre, Stand 21.09.2024
- 2BAG: Unfallarten (Übersicht)
- 3BIÖG: Sicher aufwachsen: 0–12 Monate (Übersicht, ohne Datum)
- 4G-BA: Kinder-Richtlinie, Fassung 18.06.2015, zuletzt geändert 15.05.2025 (BAnz AT 26.11.2025 B5), in Kraft 01.01.2026, inkl. Anlage 1 (Gelbes Heft)
- 5BIÖG: Unfallschwerpunkte im 1. Lebensjahr, Stand 29.09.2024
- 6BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V.: So vermeidest du Stürze zu Hause (20.06.2024)
- 7BAG: Verbrühung (20.06.2024)
- 8BAG: Ersticken (20.06.2024)
- 9BAG: Sicher vor dem Ersticken: So vermeidest du Unfälle (20.06.2024)
- 10BIÖG: Sichere Umgebung (0–12 Monate), Stand 29.09.2024
- 11BAG: Vergiftung (20.06.2024)
- 12BIÖG: Küche (1–3 Jahre), Stand 21.09.2024
- 13BIÖG: Garten (1–3 Jahre), Stand 09.08.2024
- 14BAG: Ertrinken (20.06.2024)
- 15BAG: So wird dein Badezimmer kindersicher (20.06.2024)
- 16BAG: Erste Hilfe: Verbrühungen (20.06.2024)
- 17BIÖG: Schreien (0–12 Monate), Stand 13.04.2026
Stand 27. Oktober 2026