Vater werden
Vater werden: was Studien über dein Erleben sagen
Unsicherheit, Stress, Sorgen und erste Bindung: was die Forschung über werdende Väter weiß und was dir helfen kann.
1. SSW bis 1 Jahr
Gefühle, die viele kennen
Manche Männer fühlen sich durch das Kind „in der Falle“ oder zweifeln an der Beziehung.1
Viele werdende Väter machen sich Sorgen: Bin ich bei der Geburt eine Hilfe? Halte ich die Geburt aus?1
Viele sorgen sich, bei der Geburt nicht hilfreich zu sein oder sie nicht auszuhalten.1
Werdende Väter haben bis zur Geburt immer mehr Stress. Danach wird der Stress wieder weniger. Das zeigt eine Auswertung von 18 Studien.2
Der Stress werdender Väter steigt von der Schwangerschaft bis zur Geburt an und sinkt danach wieder. Das zeigt eine Auswertung von 18 Studien.2
Eine Auswertung von 23 Studien beschreibt es so: In der Betreuung rund um Schwangerschaft und Geburt sind Väter „weder Patient noch Besucher“. Typisch sind Unsicherheit, Angst und Frust. Typisch ist auch das Gefühl, ausgeschlossen zu sein.3
Eine Auswertung von 23 qualitativen Studien beschreibt Väter in der Versorgung als „weder Patient noch Besucher“. Typisch sind Unsicherheit, das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, Angst und Frust.3
Depression und Angst
Etwa 8 bis 10 von 100 werdenden und frischen Vätern sind depressiv. Das zeigen zwei große Auswertungen vieler Studien.4,5
Zur Depression bei werdenden und frischen Vätern gibt es zwei große Auswertungen. Die ältere von 2010 fasst 43 Studien mit 28.004 Teilnehmenden zusammen und kommt auf etwa 10,4 von 100 Vätern. Betrachtet wird dort die Zeit vom ersten Drittel der Schwangerschaft bis ins erste Lebensjahr. Die neuere von 2016 mit 74 Studien und 41.480 Teilnehmenden kommt auf 8,4 von 100.4,5
Hat einer von euch eine Depression, hat der andere öfter auch eine. Der Zusammenhang ist mittelstark.4
Depressionen bei Mutter und Vater hängen moderat zusammen.4
Vor der Geburt haben etwa 4 bis 16 von 100 Männern eine Angststörung. Nach der Geburt sind es etwa 2 bis 18 von 100. Über die Zeit ändert sich daran eher wenig.6
Eine Angststörung haben vor der Geburt etwa 4 bis 16 von 100 Männern, danach etwa 2 bis 18 von 100. Der Verlauf ist eher stabil.6
Die Forschenden fordern, beide Partner in die Versorgung einzubeziehen.6
Beschwerden beim werdenden Vater
Manche werdenden Väter berichten von Schwangerschaftsbeschwerden bei sich selbst. Dazu gehören Übelkeit, Bauchschmerzen oder wenig Appetit. Das nennt man Couvade-Syndrom.7
Manche werdenden Väter berichten selbst von typischen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Appetitverlust. Das nennt man Couvade-Syndrom.7
In einer älteren Studie aus den USA ging es um 267 Väter. 22,5 von 100 holten sich wegen solcher Beschwerden ärztliche Hilfe. Ärztinnen und Ärzte erkannten selten den Zusammenhang mit der Schwangerschaft.7
In einer älteren US-Studie mit 267 Vätern suchten 22,5 von 100 wegen solcher Beschwerden ärztliche Hilfe. Ärztinnen und Ärzte erkannten den Zusammenhang selten.7
Die US-Studie zum Couvade-Syndrom mit 267 Vätern ist von 1982. Wegen typischer Schwangerschaftsbeschwerden der Väter gab es dort doppelt so viele Arztbesuche wie sonst.7
Das Couvade-Syndrom ist umstritten. Die Angaben zur Häufigkeit liegen zwischen 11 und 65 von 100. Eine Studie aus Italien fand keine eigenständigen körperlichen Beschwerden. Aber 92 von 100 Männern waren emotional beteiligt.8
Das Phänomen ist umstritten. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 11 und 65 von 100. Eine italienische Studie fand keine eigenständigen körperlichen Beschwerden, emotional beteiligt waren aber 92 von 100 Männern.8
In einer Hormonstudie hatten Väter mit mehr Beschwerden des Couvade-Syndroms, also Schwangerschaftsbeschwerden beim Mann, höhere Prolaktinwerte. Bei diesen Vätern fiel außerdem das Testosteron nach Reizen durch Babys stärker ab.9
Bindung vor der Geburt
Auch Väter können schon vor der Geburt eine Bindung zum Kind haben. Forschende messen diese Bindung mit einem Fragebogen. Der Fragebogen wurde eigens dafür entwickelt und geprüft.10
Auch bei Vätern lässt sich eine Bindung zum Kind schon vor der Geburt messen. Forschende haben dafür einen eigenen Fragebogen entwickelt und geprüft.10
Der Ultraschall kann für Väter ein bewegender Moment sein.11
Der Ultraschall kann für Väter ein emotionaler Meilenstein sein.11
Was deine Beteiligung bewirken kann
Eine Auswertung von Studien aus Entwicklungsländern zeigt: Beteiligten sich Männer in der Schwangerschaft, hatten Mütter deutlich seltener eine Wochenbettdepression. Auch die Versorgung wurde besser genutzt.12
In einer Auswertung von Studien aus Entwicklungsländern ging die Beteiligung von Männern in der Schwangerschaft mit deutlich weniger Wochenbettdepressionen bei den Müttern einher. Die Versorgung wurde auch besser genutzt.12
Geburtsdaten aus den USA zeigen: Fehlten Angaben zum Vater, hatten Babys häufiger ein niedriges Geburtsgewicht. Auch Frühgeburten kamen dann häufiger vor.13
In US-Geburtsdaten kamen niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburt häufiger vor, wenn Angaben zum Vater fehlten.13
Beide Studien zeigen nur Zusammenhänge. Was die Ursache ist, zeigen die Studien nicht. Für Deutschland gelten die Ergebnisse nur begrenzt.12,13
Beide Studien beobachten Zusammenhänge, keine Ursachen. Auf Deutschland lassen sie sich nur begrenzt übertragen.12,13
Hilfe für dich
Kommt ihr als Paar allein nicht weiter, kann eine Paarberatung helfen.1
Beratungsangebote für Männer findest du über das Männerberatungsnetz unter maennerberatungsnetz.de.14
Unter 116 117 erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Über diese Nummer kannst du auch einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde bekommen.15,16
Unter 116 117 erreichst du nicht nur den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Nummer vermittelt auch Termine in psychotherapeutischen Sprechstunden.15,16
Die TelefonSeelsorge erreichst du Tag und Nacht. Der Anruf ist kostenlos und anonym. Die Nummern: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Du kannst auch chatten oder eine Mail schreiben.17
Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Es gibt auch Chat und Mail.17
Das Heft „Vater werden“ ist für werdende Väter gemacht. Es kommt vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.18
Die Broschüre „Vater werden“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit richtet sich gezielt an werdende Väter.18
Was du tun kannst
Passt dazu
Quellen
- 1BIÖG, familienplanung.de: Gemeinsam durch die Schwangerschaft, für Väter und Co-Mütter (Stand 13.06.2024)
- 2Elsevier: Philpott LF et al.: Stress in fathers in the perinatal period: a systematic review. Midwifery 2017;55:113–27 (PMID 28992554)
- 3Elsevier: Steen M et al.: Not-patient and not-visitor: a metasynthesis of fathers' encounters with pregnancy, birth and maternity care. Midwifery 2012;28(4):422–31 (PMID 21820778)
- 4AMA: Paulson JF, Bazemore SD: Prenatal and postpartum depression in fathers and its association with maternal depression: a meta-analysis. JAMA 2010;303(19):1961–9 (PMID 20483973)
- 5Elsevier: Cameron EE, Sedov ID, Tomfohr-Madsen LM: Prevalence of paternal depression in pregnancy and the postpartum: an updated meta-analysis. J Affect Disord 2016;206:189–203 (PMID 27475890)
- 6Elsevier: Leach LS et al.: Prevalence and course of anxiety disorders (and symptom levels) in men across the perinatal period: a systematic review. J Affect Disord 2016;190:675–86 (PMID 26590515)
- 7ACP: Lipkin M, Lamb GS: The couvade syndrome: an epidemiologic study. Ann Intern Med 1982;96(4):509–11 (PMID 7199885)
- 8Taylor & Francis: Masoni S et al.: The couvade syndrome. J Psychosom Obstet Gynaecol 1994;15(3):125–31 (PMID 8000469)
- 9Elsevier: Storey AE et al.: Hormonal correlates of paternal responsiveness in new and expectant fathers. Evol Hum Behav 2000;21(2):79–95 (PMID 10785345)
- 10Wiley: Condon JT: The assessment of antenatal emotional attachment: development of a questionnaire instrument. Br J Med Psychol 1993 (PMID 8353110)
- 11Elsevier: Ekelin M et al.: A qualitative study of mothers' and fathers' experiences of routine ultrasound examination in Sweden. Midwifery 2004 (PMID 15571882)
- 12BMJ: Yargawa J, Leonardi-Bee J: Male involvement and maternal health outcomes: systematic review and meta-analysis. J Epidemiol Community Health 2015 (PMID 25700533)
- 13Springer: Alio AP et al.: The impact of paternal involvement on feto-infant morbidity among Whites, Blacks and Hispanics. Matern Child Health J 2010 (PMID 19526333)
- 14Bundesforum Männer: Männerberatungsnetz: Suche nach Beratungsangeboten
- 15Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- 16Schatten & Licht e.V.: Schatten & Licht e.V.
- 17TelefonSeelsorge Deutschland (ev./kath. Träger): TelefonSeelsorge
- 18BIÖG: Broschüre „Vater werden – Die wichtigsten Informationen im Überblick“ (2026, 28 Seiten). Nur die Shopseite gelesen, nicht die Broschüre
Stand 27. Oktober 2026