Psyche und Gesundheit
Depression bei Vätern: Zeichen und Hilfe
Wie häufig Väter vor und nach der Geburt depressiv werden, welche Anzeichen es gibt, was das Risiko erhöht und wo du Hilfe bekommst.
1. SSW bis 1 Jahr
Wie häufig es ist
Manche Väter haben nach der Geburt zu viel Stress oder ein Stimmungstief. Das betrifft 1 bis 2 von 10 Vätern. Das kann in den Wochen und Monaten nach der Geburt sein.1
Jeder fünfte bis zehnte Vater erlebt in den Wochen und Monaten nach der Geburt übermäßigen Stress oder ein Stimmungstief.1
Etwa 8 bis 10 von 100 Vätern haben vor oder nach der Geburt eine Depression. Das zeigen zwei große Auswertungen von vielen Studien.2,3
Zwei große Auswertungen vieler Studien fanden bei etwa 8 bis 10 von 100 Vätern eine Depression vor oder nach der Geburt.2,3
Zur Depression bei werdenden und frischen Vätern fasst eine Auswertung von 2010 insgesamt 43 Studien mit 28.004 Teilnehmenden zusammen. Die Auswertung kommt auf etwa 10,4 Prozent der Väter, vom ersten Drittel der Schwangerschaft bis ins erste Lebensjahr des Kindes. Eine neuere Auswertung von 2016 mit 74 Studien und 41.480 Teilnehmenden kommt auf 8,4 Prozent.2,3
Ist ein Elternteil depressiv, ist der andere öfter auch depressiv. Der Zusammenhang ist mittelstark.2
Ist ein Elternteil depressiv, ist es der andere häufiger auch. Der Zusammenhang ist mäßig stark.2
Eine Übersicht über 43 Studien fand bei 4,1 bis 16,0 Prozent der Männer vor der Geburt eine Angststörung und bei 2,4 bis 18,0 Prozent nach der Geburt. Der Verlauf der Angststörungen war eher stabil.4
Anzeichen bei Vätern
Anzeichen für ein Stimmungstief oder eine Depression bei Vätern können Reizbarkeit und Erschöpfung sein. Auch Schlafstörungen können ein Anzeichen sein. Auch fehlende Freude gehört dazu. Dazu kommen wenig Antrieb und Probleme, sich zu konzentrieren.1
Anzeichen für ein Stimmungstief oder eine Depression bei Vätern können Reizbarkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Freudlosigkeit sein. Auch wenig Antrieb und Konzentrationsprobleme gehören dazu.1
Manche Väter tun sich schwer, Gefühle als Vater zu entwickeln. Auch der Körper kann Anzeichen zeigen: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Beschwerden in Magen und Darm.1
Manche Väter tun sich schwer, Gefühle als Vater zu entwickeln. Auch körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden können dazugehören.1
Was das Risiko erhöht
Manches macht ein Stimmungstief oder eine Depression bei Vätern wahrscheinlicher. Dazu gehört eine Geburt, die als schwer und beängstigend erlebt wurde. Das gilt, wenn es keine Gelegenheit gab, das zu verarbeiten. Auch eine frühere Depression, Schlafmangel und Konflikte gehören dazu.1
Risikofaktoren für ein Stimmungstief oder eine Depression bei Vätern sind eine als schwer und beängstigend erlebte Geburt ohne Gelegenheit zur Verarbeitung, eine frühere Depression, Schlafmangel und Konflikte.1
Auch zu hohe Erwartungen sind ein Risiko. Ein Beispiel ist, ein „guter Vater“ und zugleich Hauptverdiener zu sein. Ein weiteres Risiko ist zu wenig Vorbereitung.1
Auch überhöhte Erwartungen sind ein Risikofaktor, etwa „guter Vater“ und zugleich Hauptverdiener zu sein. Ein weiterer Faktor ist eine unzureichende Vorbereitung.1
Hilfe für dich
Bleibt deine Stimmung gedrückt? Dann hol dir Hilfe von Fachleuten. Eine erste Stelle dafür kann eine Schwangerschaftsberatungsstelle sein.1
Bleibt deine Stimmung gedrückt, ist professionelle Hilfe wichtig. Eine erste Anlaufstelle kann eine Schwangerschaftsberatungsstelle sein.1
Ist die Depression voll ausgeprägt? Dann kommen eher eine Psychotherapie oder Medikamente infrage. Bei Stress oder einem Stimmungstief nach der Geburt ist auch eine Vater-Kind-Kur möglich. Solche Kuren gibt es über das Müttergenesungswerk.1
Bei einer voll ausgeprägten Depression kommen eher Psychotherapie oder Medikamente infrage. Bei Stress oder einem Stimmungstief nach der Geburt sind auch Vater-Kind-Kuren über das Müttergenesungswerk möglich.1
Für ein erstes Gespräch in einer Psychotherapiepraxis brauchst du keine Überweisung.5,6
Für ein psychotherapeutisches Erstgespräch braucht es keine Überweisung.5,6
Über die 116 117 kannst du auch einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde bekommen. Die Nummer erreichst du Tag und Nacht. Aus deutschen Netzen ist der Anruf kostenlos.7,8
Die 116 117 vermittelt auch Termine in psychotherapeutischen Sprechstunden. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar und aus deutschen Netzen kostenlos.7,8
Auch Frühe Hilfen, Hebammen und die Kinderarztpraxis helfen weiter. Frühe Hilfen in eurer Nähe findest du auf elternsein.info. Dort kannst du nach Postleitzahl suchen.9,10
Auch Frühe Hilfen, Hebammen und die Kinderarztpraxis sind Anlaufstellen. Frühe Hilfen in eurer Nähe findest du über die Postleitzahlsuche auf elternsein.info.9,10
Beratungsangebote für Männer findest du über das Männerberatungsnetz unter maennerberatungsnetz.de.11
Was du tun kannst
- Plant regelmäßige Auszeiten für euch beide ein.1
- Hat dich die Geburt belastet? Dann frag nach einem Gespräch mit dem Team der Geburt. Das geht auch noch Wochen später.1
- Hat dich die Geburt belastet, frag nach einem Gespräch mit dem Team der Geburt. Das geht auch Wochen später noch.1
- Hat sie eine Wochenbettdepression? Dann achte auch auf deine eigene Stimmung. Denn Depressionen bei Mutter und Vater hängen zusammen.2
- Hat sie eine Wochenbettdepression, achte auch auf deine eigene Stimmung. Depressionen bei Mutter und Vater hängen zusammen.2
Passt dazu
- Psyche nach der Geburt: bei ihr und bei dirWelche Anzeichen es für Babyblues, Depression und eine belastende Geburt gibt, bei ihr wie bei dir, und wo ihr Hilfe findet.
- Vater werden: was Studien über dein Erleben sagenUnsicherheit, Stress, Sorgen und erste Bindung: was die Forschung über werdende Väter weiß und was dir helfen kann.
- Die Geburt verarbeiten, auch für dichWar die Geburt belastend, für sie oder für dich: welche Anzeichen es gibt, wer mit euch darüber spricht und wo ihr Hilfe findet.
- Wenn es ihr nicht gut geht: Babyblues, Depression, PsychoseBabyblues, Wochenbettdepression und Psychose: welche Anzeichen einer Depression es gibt, wie du ihr hilfst und wann du schnell Hilfe holst.
Quellen
- 1familienplanung.de (BIÖG): Väter und Co-Mütter: Stress und Stimmungstiefs nach der Geburt
- 2AMA: Paulson JF, Bazemore SD: Prenatal and postpartum depression in fathers and its association with maternal depression: a meta-analysis. JAMA 2010;303(19):1961–9 (PMID 20483973)
- 3Elsevier: Cameron EE, Sedov ID, Tomfohr-Madsen LM: Prevalence of paternal depression in pregnancy and the postpartum: an updated meta-analysis. J Affect Disord 2016;206:189–203 (PMID 27475890)
- 4Elsevier: Leach LS et al.: Prevalence and course of anxiety disorders (and symptom levels) in men across the perinatal period: a systematic review. J Affect Disord 2016;190:675–86 (PMID 26590515)
- 5familienplanung.de (BIÖG): Wochenbett-Depression
- 6gesund.bund.de (BMG, mit IQWiG): Wochenbettdepression
- 7Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- 8Schatten & Licht e.V.: Schatten & Licht e.V.
- 9BIÖG: Vater, Mutter, Eltern sein
- 10elternsein.info (NZFH, © NZFH/BIÖG): Startseite mit Suche nach Frühen Hilfen und Schreiambulanzen
- 11Bundesforum Männer: Männerberatungsnetz: Suche nach Beratungsangeboten
- 12TelefonSeelsorge Deutschland (ev./kath. Träger): TelefonSeelsorge
Stand 27. Oktober 2026