Vorsorge und Untersuchungen
Warnzeichen in der Schwangerschaft: wann sofort in die Klinik
Welche Zeichen in der Schwangerschaft nicht warten können und wann ihr anruft, in die Klinik fahrt oder die 112 wählt.
1. SSW bis Geburt
So geht ihr vor
Die meisten Beschwerden in der Schwangerschaft sind harmlos und gehen von selbst vorbei.1
Im Notfall ruft ihr die 112 an. Ist die Praxis zu, ruft ihr die 116 117 an. Dort erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die 116 117 ist Tag und Nacht erreichbar. Aus deutschen Netzen kostet der Anruf nichts. Bei Lebensgefahr ruft ihr die 112 an.1,2
Im Notfall wählt ihr die 112. Ist die Praxis zu, erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und aus deutschen Netzen kostenlos. Für lebensbedrohliche Fälle ist die 116 117 nicht gedacht, dafür gibt es die 112.1,2
Blutungen
Blutet sie, meldet euch sofort bei Hebamme, Frauenarztpraxis oder Geburtsklinik. Das gilt bei jeder Blutung, auch bei einer bräunlichen Schmierblutung.3
Meldet euch bei jeder Blutung sofort bei Hebamme, Frauenarztpraxis oder Geburtsklinik. Das gilt auch für eine bräunliche Schmierblutung.3
Im ersten Drittel sind Blutungen häufig. Im zweiten und dritten Drittel sind Blutungen seltener. Dann ist eine Blutung aber fast immer ernst. Ursachen sind zum Beispiel eine Placenta praevia oder eine Plazenta, die sich zu früh löst.3
Im ersten Drittel sind Blutungen häufig. Im zweiten und dritten Drittel sind Blutungen seltener, aber fast immer ernst, zum Beispiel bei einer Placenta praevia oder einer vorzeitigen Plazentalösung.3
Zur Häufigkeit von Blutungen in der Schwangerschaft nennt familienplanung.de etwa 25 Prozent im ersten Drittel und 1 bis 7 Prozent im zweiten und dritten Drittel.3
Blutet sie so stark wie bei der Periode oder stärker? Dann fahrt sofort in die Geburtsklinik. Das gilt auch bei einer Blutung mit starken Bauchschmerzen. Oder wenn sie bei der Blutung Schwindel hat. Oder wenn sie dabei zittert. Oder wenn mit dem Blut Fruchtwasser abgeht. Wird sie ohnmächtig, ruf die 112.3,4,1
Fahrt sofort in die Geburtsklinik, wenn sie so stark blutet wie bei der Periode oder stärker. Dasselbe gilt, wenn sie blutet und dazu starke Bauchschmerzen oder Schwindel hat, wenn sie dabei zittert oder wenn mit dem Blut Fruchtwasser abgeht. Wird sie ohnmächtig, ruf die 112.3,4,1
Britische Empfehlungen raten bei diesen Zeichen, den Notruf zu wählen. Das gilt dort auch, wenn sie bei einer Blutung Schulterschmerzen hat. Oder wenn eine Binde schnell durchgeblutet ist. In Deutschland ist der Notruf die 112.4,1
Britische Empfehlungen raten in diesen Fällen zum Notruf. Dasselbe gilt dort, wenn sie bei einer Blutung Schulterschmerzen hat oder eine Binde schnell durchgeblutet ist. In Deutschland ist der Notruf die 112.4,1
Blutet sie am Anfang der Schwangerschaft und hat Schmerzen im Unterbauch? Dann lasst das sofort ärztlich abklären. Es kann eine drohende Fehlgeburt sein. Oder eine Eileiterschwangerschaft.5
Blutet sie in der Frühschwangerschaft und hat dabei Schmerzen im Unterbauch, lasst das sofort ärztlich abklären. Dahinter kann eine drohende Fehlgeburt oder eine Eileiterschwangerschaft stecken.5
Fruchtwasser und Wehen vor der Zeit
Geht Fruchtwasser ab? Dann sagt der Hebamme Bescheid oder fahrt in die Klinik. Kommt das Fruchtwasser, bevor die Wehen da sind? Dann fahrt zügig in die Klinik. Der Grund: Es besteht ein Risiko für eine Infektion und für eine Frühgeburt.6
Geht Fruchtwasser ab, sagt der Hebamme Bescheid oder fahrt in die Klinik. Kommt das Fruchtwasser vor den Wehen, fahrt zügig in die Klinik. Dann besteht ein Risiko für eine Infektion und eine Frühgeburt.6
Bis zum Ende der 37. SSW gilt eine Geburt als Frühgeburt. Bis dahin können Wehen vorzeitige Wehen sein. Ein Zeichen: Über längere Zeit kommen mehr als 3 Wehen pro Stunde. Oft hat sie dazu Kreuzschmerzen. Weitere Zeichen sind Krämpfe wie bei der Periode. Oder Druck nach unten. Oder blutiger oder schleimiger Ausfluss. Bei einem dieser Zeichen ruft sofort Frauenarztpraxis, Hebamme oder Geburtsklinik an.7,8
Bis zum Ende der 37. SSW, also vor 37+0, gilt eine Geburt als Frühgeburt. Zeichen für vorzeitige Wehen sind über längere Zeit mehr als drei Wehen pro Stunde, oft mit Kreuzschmerzen. Weitere Zeichen sind Krämpfe wie bei der Periode, Druck nach unten und blutiger oder schleimiger Ausfluss. Bei einem dieser Zeichen ruft sofort Frauenarztpraxis, Hebamme oder Geburtsklinik an.7,8
Übungswehen sind kurz, tun nicht weh und kommen unregelmäßig. Kommen mehr als 3 Übungswehen pro Stunde? Oder etwa 10 am Tag? Und hören die Wehen in Ruhe nicht auf? Dann lasst das ärztlich abklären.8
Übungswehen sind kurz, schmerzlos und unregelmäßig. Kommen mehr als drei Übungswehen pro Stunde oder etwa zehn am Tag, die in Ruhe nicht nachlassen, lasst das ärztlich abklären.8
Kindsbewegungen
Bewegt sich euer Baby weniger als sonst? Oder gar nicht mehr? Oder anders als gewohnt? Dann ruft sofort die Hebamme oder den Kreißsaal an. Das gilt auch nachts. Wartet nicht bis zum nächsten Tag.9
Bewegt sich euer Baby weniger als sonst, gar nicht mehr oder anders als gewohnt, ruft sofort die Hebamme oder den Kreißsaal an. Das gilt auch nachts. Wartet nicht bis zum nächsten Tag.9
Ihr müsst keine Tritte zählen. Wichtig ist, wie sich euer Baby sonst bewegt. Ändert sich das, nehmt kein Herzton-Gerät für zu Hause. Ruft stattdessen sofort an.9
Tritte zählen müsst ihr nicht. Wichtig ist das gewohnte Muster eures Babys. Ändert es sich, nutzt kein Herzton-Gerät für zu Hause, sondern ruft sofort an.9
Spürt sie bis zum Ende der 24. SSW noch keine Bewegungen? Dann sagt es der Hebamme. Das raten britische Empfehlungen.9
Spürt sie bis zum Ende der 24. SSW, also bis 24+0, noch keine Bewegungen, sagt es der Hebamme. Das raten britische Empfehlungen.9
Die ersten Kindsbewegungen spüren Schwangere nach britischen Empfehlungen zwischen 16 und 24 vollendeten Wochen, beim ersten Kind oft erst nach 20 vollendeten Wochen. Die Seite frauenaerzte-im-netz.de nennt ab etwa der 17. Woche bei Schwangeren, die schon Kinder haben, und ab der 20. bis 21. Woche beim ersten Kind.9,10
Die Hinweise zu weniger Kindsbewegungen, also sofort anzurufen, keine Tritte zu zählen und kein Herzton-Gerät für zu Hause zu nutzen, stammen aus britischen Empfehlungen.9
Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwellungen
Meist ab der 20. SSW kann eine Präeklampsie auftreten. Das ist eine Erkrankung in der Schwangerschaft. Ein Zeichen: Sie hat starke Kopfschmerzen, und Schmerzmittel helfen nicht. Oder sie sieht Flimmern oder verschwommen. Oder sie hat Schmerzen unter den Rippen oder rechts oben im Bauch. Oder Gesicht, Hände oder Füße schwellen plötzlich an. Oder sie erbricht. Oder sie fühlt sich sehr krank. Lasst jedes dieser Zeichen sofort ärztlich abklären.11,12,13,14
Meist ab der 20. SSW kann eine Präeklampsie auftreten. Zeichen sind starke Kopfschmerzen, die auf Schmerzmittel nicht weggehen, Sehstörungen wie Flimmern oder Verschwommensehen und Schmerzen unter den Rippen oder rechts im Oberbauch. Auch eine plötzliche Schwellung von Gesicht, Händen oder Füßen, Erbrechen oder ein starkes Krankheitsgefühl sind Zeichen. Lasst jedes dieser Zeichen sofort ärztlich abklären.11,12,13,14
Hat sie Kopfschmerzen, die plötzlich kommen, sehr stark oder ungewohnt sind? Dann fahrt sofort zur Ärztin oder in die Klinik. Das gilt auch, wenn sie verwirrt ist. Oder einen steifen Nacken hat. Oder nicht richtig sehen kann.13
Hat sie plötzliche, sehr starke oder ungewohnte Kopfschmerzen, fahrt sofort zur Ärztin oder in die Klinik. Dasselbe gilt, wenn sie verwirrt ist, einen steifen Nacken oder Sehstörungen hat.13
Ist die 20. SSW vorbei? Dann lasst jeden Kopfschmerz bald ärztlich abklären.13
Nach der 20. SSW, also ab 20+0, gehört jeder Kopfschmerz zeitnah ärztlich abgeklärt.13
Weitere Hinweise auf eine Präeklampsie sind ein Blutdruck ab 140/90 mmHg, Eiweiß im Urin und eine Gewichtszunahme von etwa 1 kg pro Woche.11,12,13,14
Eine Präeklampsie betrifft in Europa etwa 2 von 100 Schwangerschaften. Bei 10 bis 20 von 100 Schwangerschaften mit Präeklampsie tritt ein HELLP-Syndrom auf.11,12,13,14
Bein, Juckreiz, Erbrechen und Sport
Ist nur ein Bein geschwollen? Dann lasst das sofort ärztlich abklären. Das Bein kann dazu warm sein, die Haut kann anders aussehen, oder es tut weh. Es kann eine Thrombose sein.12
Ist ein Bein einseitig geschwollen, lasst das sofort ärztlich abklären. Dazu können Wärme, eine veränderte Haut oder Schmerzen kommen. Es kann eine Thrombose sein.12
Hat sie starken Juckreiz? Dann ruft im Kreißsaal an. Das gilt besonders, wenn Handflächen und Fußsohlen jucken. Oder wenn es nachts schlimmer wird. Es kann eine Schwangerschaftscholestase sein. Das ist eine Erkrankung der Leber.15,16
Hat sie starken Juckreiz, besonders an Handflächen und Fußsohlen und nachts schlimmer, ruft im Kreißsaal an. Es kann eine Schwangerschaftscholestase sein, eine Lebererkrankung der Schwangerschaft.15,16
Eine Schwangerschaftscholestase bringt ein kleines Risiko für eine Frühgeburt mit sich, in schwerer Form auch für eine Totgeburt. Eine Leitlinie zur Schwangerschaftscholestase empfiehlt je nach Gallensäurewert eine frühere Geburtseinleitung.15,16
Erbricht sie mehr als 5-mal am Tag? Dann sollte sie zur Ärztin oder zum Arzt. Das gilt auch, wenn sie mehr als 5 Prozent ihres Gewichts verliert. Oder wenn sie kaum essen und trinken kann.17
Erbricht sie mehr als fünfmal am Tag, sollte sie zur Ärztin oder zum Arzt. Dasselbe gilt, wenn sie mehr als 5 Prozent ihres Gewichts verliert oder kaum essen und trinken kann.17
Schweres Schwangerschaftserbrechen betrifft 1 bis 2 von 100 Schwangeren.5
Hat sie beim Sport Brustschmerzen oder Atemnot, die anhält? Oder starke Kopfschmerzen oder Schwindel? Oder Wehen, die regelmäßig kommen oder wehtun? Oder blutet sie, oder geht Flüssigkeit ab? Dann hört sie auf und lässt das ärztlich abklären.18
Hat sie beim Sport Brustschmerzen, anhaltende Atemnot, starke Kopfschmerzen oder Schwindel, sollte sie aufhören und es ärztlich abklären lassen. Dasselbe gilt bei regelmäßigen oder schmerzhaften Wehen, einer Blutung oder wenn Flüssigkeit abgeht.18
Was du tun kannst
- Speichere diese Nummern in deinem Handy: 112 und 116 117. Dazu die Nummern von Kreißsaal, Hebamme und Frauenarztpraxis.1,3,9
- Speichere 112, 116 117 und die Nummern von Kreißsaal, Hebamme und Frauenarztpraxis in deinem Handy.1,3,9
- Seid ihr unsicher, ob etwas ein Warnzeichen ist? Oder sind die Beschwerden ungewohnt? Dann holt immer ärztlichen Rat.3
- Seid ihr unsicher, ob etwas ein Warnzeichen ist, oder sind Beschwerden ungewohnt, holt immer ärztlichen Rat.3
Passt dazu
- Vorsorge: Termine, Ultraschall und Bluttests im ÜberblickWie oft sie zur Vorsorge geht, was bei Ultraschall und Bluttests passiert und welche Termine du begleiten kannst.
- Wann ihr losfahrtWoran ihr merkt, dass die Geburt beginnt, und wann ihr losfahrt, die Hebamme anruft oder die 112 wählt.
- Wenn eine Schwangerschaft endet: FehlgeburtWarum es meist nicht zu verhindern war, wie ihr Abschied nehmen könnt, welche Rechte ihr habt und wo ihr Hilfe findet.
Quellen
- 1BMG, gesund.bund.de: Typische Schwangerschaftsbeschwerden (Stand 01.12.2025, geprüft vom Deutschen Hebammenverband)
- 2Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- 3BIÖG, familienplanung.de: Beschwerden in der Schwangerschaft: Blutungen (Stand 11.06.2024)
- 4NHS: Vaginal bleeding in pregnancy (geprüft 17.02.2026)
- 5BIÖG, familienplanung.de: 5.–8. SSW (Stand 13.06.2024)
- 6BIÖG, familienplanung.de: 37.–40. SSW (Stand 13.06.2024)
- 7BIÖG, familienplanung.de: Frühgeburt: Wenn es der Nachwuchs eilig hat (Stand 25.07.2024, geprüft 25.02.2025)
- 8BIÖG, familienplanung.de: 29.–32. SSW (Stand 13.06.2024)
- 9NHS: Your baby's movements (geprüft 08.07.2024)
- 10BVF, frauenaerzte-im-netz.de: Schwangerschaftsdrittel (Bearbeitung 15.03.2018)
- 11BIÖG, familienplanung.de: 21.–24. SSW (Stand 13.06.2024)
- 12BIÖG, familienplanung.de: 13.–16. SSW (Stand 13.06.2024)
- 13BIÖG, familienplanung.de: Kopfschmerzen in der Schwangerschaft (Stand 13.06.2024)
- 14NHS: Pre-eclampsia (geprüft 23.03.2026)
- 15NHS: Itching and intrahepatic cholestasis of pregnancy (geprüft 24.02.2026)
- 16Thieme / DGGG-Arbeitsgemeinschaft: Hagenbeck C et al.: Management of Intrahepatic Cholestasis of Pregnancy. Geburtsh Frauenheilk 2021;81:922–939
- 17BIÖG, familienplanung.de: Übelkeit und Erbrechen (Stand 19.07.2023)
- 18Netzwerk Gesund ins Leben: Bewegungsausmaß und -art vor und in der Schwangerschaft (Stand 06.07.2026)
Stand 27. Oktober 2026